Besser Westernreiten auf dem Leuchtfeuerhof, Lehrgang mit Ute Holm und Jacqueline Orth
Am verlängerten Wochenende vom 2. bis 5. Mai fand auf dem Leuchtfeuerhof in Ludwigshafen wieder wie im letzten Jahr ein Seminar unter dem Überbegriff „Besser Westernreiten“ statt. Star des Wochenendes war selbstverständlich Ute Holm, die die Teilnehmer in ihren Bann zog.
Für alle, die Ute Holm nur wenig kennen hier eine Kurzbeschreibung. Sie ist mehrfache deutsche Meisterin und Europameisterin in verschiedenen Westernreitdisziplinen. Ein besonderes Ereignis in ihrem Leben war sicherlich der erste Platz und damit die Goldmedaille im World Champion Team Cutting. Ute Holm gehört zweifelsfrei zu den erfolgreichsten und bekanntesten Profiwesterntrainerinnen für Allaround-Pferde und deren Reitern. Zu Jacqueline und Frank Orth vom Leuchtfeuerhof besteht eine langjährige freundschaftliche Verbindung von der wiederum die Reitschüler des in Ludwigshafen Ruchheim ansässigen Betriebes besonders profitieren.
Die ersten beiden Tage standen ganz allgemein unter dem Motto der Verbesserung der Hilfengebung aus dem Westernsattel heraus. Ute legt sehr viel Wert auf den pferdegerechten Umgang mit dem Tier einerseits und das Verständnis für die Anforderungen des Pferdes an den Reiter. Trotz der hohen Qualifikation von Ute Holm versteht sie es ihre Seminarteilnehmer dort abzuholen, wo diese reiterlich stehen. Hier befindet sich auch der beste Ansatz den Reitstil zu verbessern. Dazu ist es nötig zuerst einmal die Ziele des jeweiligen Teilnehmers zu erfragen und bei der Gelegenheit über dessen Wünsche den genauen Inhalt des Seminars festzulegen. Dazu lässt Ute die Teilnehmer vorreiten und macht sich ein Bild über den Leistungsstand. Danach bildet sie mehrere Gruppen, die dann schwerpunktmäßig zusammen passen, so auch beim Seminar auf dem Leuchtfeuerhof.
Die größte Anzahl an Reitern möchte einen vierbeinigen Alleskönner – neudeutsch „Allrounder“, der umgänglich ist, sich ebenso gut im Gelände als auch bei einem Turnier reiten lässt und in den für den Westernsport typischen Disziplinen Leistung zeigt. Spöttern fällt zu diesem Spektrum gleich eine „eierlegende Wollmilchsau“ ein, aber eine ähnlich universelle Bandbreite der „Nutzung“ sollte ein Westernpferd auszeichnen. Schließlich zählt diese in erster Linie zur Gebrauchsreiterei, die Turnierdisziplinen sind hiervon abgeleitet. Einige Teilnehmer des Wochenendes ritten eigene Pferde, andere Lehrpferde des Leuchtfeuerhofes. An Rassen waren vom Norweger über Mischlinge bis hin zu den typischen Westernpferderassen wie dem Appalossa, dem Painthorse und natürlich dem American Quarterhorse alle vertreten.
Utes Einschätzung nach dem Vorreiten wertet jedoch nicht nur die Qualität des jeweiligen Pferdes, sondern schließt den Stand der Fähigkeiten des Reiters mit ein. Im Analysieren der Pferd / Reiterkombination liegt das größte Verbesserungspotenzial, welches Ute nutzt. Sie erklärt Zusammenhänge so, dass der Teilnehmer diese versteht und umzusetzen vermag. Dabei wählt sie einen freundlichen, aber auffordernden Stil. Kurzum, es wird auch viel gelacht in Utes Kursen. Ergänzt um den auf dem Leuchtfeuerhof allgegenwärtigen Slogan „Lächeln, reiten macht Spass“ entwickelte sich eine tolle, lernbereite und wissbegierige Stimmung. Anekdoten aus Ute Holms Erlebnisschatz bereicherten die ersten beiden Tage zusätzlich zu den anspruchsvollen Aufgaben, die die Seminarteilnehmer zu bewältigen hatten. Ein bunter Reigen aus Reining-, Trail- und Horsemanshipaufgaben bis hin zu einigen kleinen Sprüngen war zu meistern. Mit einer kurzen Umschreibung – „Erschöpft, aber glücklich“ ließ sich das Fazit der ersten beiden Tage beschreiben.
Der Sonntag stand unter anderen Vorzeichen, einem Rinderschnupperkurs mit Blick zum Cutting. Hierzu kam ein Dutzend Rinder auf den Leuchtfeuerhof, die unter Utes Anleitung von den Teilnehmern gearbeitet werden sollten. Das Feld teilte sich vom „Greenhorn“, mit dem ersten Rinderkontakt, bis zum Cuttingpferd. Die Disziplin Cutting hat ihren Ursprung in der täglichen Arbeit der Cowboys und besteht in Anlehnung an die Turnierregeln heutzutage darin in die Herde einzureiten, sich ein Rind auszuwählen und es von dieser abzutrennen ( englisch „to cut“ = schneiden). Dieses sucht einen Weg zurück zur Herde, Aufgabe des Reiters ist es hierbei die Rinder über zweieinhalb Minuten daran zu hindern. Dabei dürfen nur feine Einwirkungen auf das Pferd gegeben werden, die Rinder sollen auch nicht gejagt werden. Vielmehr geht es darum das Rind zu „lesen“, vorauszuahnen in welche Richtung es sich als nächstes bewegt. Idealerweise entwickelt das Pferd dafür einen siebten Sinn, von den Westernreitern „Cowsense“ genannt. Es nimmt dem Reiter dadurch viel Arbeit ab und steigert die Geschwindigkeit zu athletischen Leistungen. Der jedoch muss nun die Bewegungen seines Pferdes ebenfalls vorausahnen, kontrollierend eingreifen und schlussendlich eine Einheit mit ihm bilden. Im gleichen Maß wie die einzelnen Pferd / Reiterkombinationen vor ihrer Aufgabe zusammenwuchsen zogen sich die Mundwinkel der Reiter nach oben, denn so macht das Westernreiten richtig Spaß. Die Disziplin Cutting schult neben vielen weiteren Hilfen vor allem den Sitz des Reiters. Der wurde beim einen oder anderen Reiter auch besonders auf die Probe gestellt, glücklicherweise war der Reitplatz auf dem Leuchtfeuerhof gut befeuchtet und aufgelockert...
Der Montag bot den Abschluss des Wochenendes auf dem Leuchtfeuerhof unter dem Motto „Besser Westernreiten“. Jacqueline Orth weihte die Einsteiger in die Team Penning Aufgaben ein, in dem es darum geht eine Rinderherde nach bestimmten Regeln zu bewegen. Ebenso wie beim Cuttingkurs des Vortages waren Lehrpferde des Leuchtfeuerhofes mit deren Reitschülern als auch fremde Pferde am Start. Die Reiter mussten all ihr Können aufbieten um die Aufgaben zu meistern. Jacqueline korrigierte auch hier wiederum die Einwirkung der Reiter auf ihr Pferd um beide Partner zu einer Einheit zusammenzuschweißen, getreu dem Motto des Wochenendes.
Der landwirtschaftliche Betrieb Leuchtfeuerhof war bis hin zum strahlenden Maiwetter bestens auf die Seminarteilnehmer vorbereitet und hatte extra für die vierbeinigen Teilnehmer Gastpferdeboxen aufgebaut, wie diese auch beim alljährlichen D-Turnier im September bereitstehen. Vor allem den Sonntag nutzten zahlreiche Spaziergänger und Reitsportbegeisterte um ein wenig Westernatmosphäre zu schnuppern und der Welt- und Europameisterin Ute Holm bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Die Seminarteilnehmer nahmen Wegstrecken bis zu 400 Kilometern auf sich um bei ihr auf dem Leuchtfeuerhof zu reiten.
Während Ute Holm am Montag weiterreiste, unter anderem um ihr Lehrvideo mit dem Titel „Grundlagen des Westernreitens“ in der Praxis vorzuführen bleibt ihr Hengst „Docs Gun“ noch eine zeitlang auf Deckstation auf dem Leuchtfeuerhof. Eine Stute des landwirtschaftlichen Betriebes erwartet derzeit ein Fohlen aus der letztjährigen Decksaison, drei eigene Stuten des Leuchtfeuerhofs, sowie einige Fremdstuten sollen in diesem Jahr von dem Ausnahmehengst bedeckt werden. Jacqueline Orth und Ute Holm treffen sich spätestens auf der Messe „Texana“ in Berlin wieder, Lehrgänge in der Region mit Ute Holm finden am 7. und 8. Juni auf der Astoria Ranch in Walldorf und am 22. und 23. Juli erneut auf dem Leuchtfeuerhof statt. Weiterhin wird es dort einen Zusatztermin mit Themenschwerpunkt Ranchhorse – Versatitlity geben. Angedacht ist auch eine gezielte Förderung von jugendlichen Westernreitern, die Ute Holm besonders am Herz liegen. Wir freuen uns schon...
Jacqueline und Frank Orth


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